Nackte Füdlis und der Islam

 

 

 Was haben strippende Männer mit Frauen in Nikabs gemeinsam?

„Nichts!“ Dachte ich auch. Bis heute, als ich zwei sehr unterschiedliche TV-Beiträge an einem Tag realisieren durfte.

Da kommt er. Rachid Nekkaz. Der Mann, der in ganz Europa die Burka- bzw. Nikab-Bussen begleichen will. Kaum hat St. Gallen das Verhüllungsverbot ausgerufen, steht der selbsternannte Menschenrechtler vor dem St. Galler Rathaus. Er ist gross und schlank, hat graumeliertes Haar und kommt mit ausgestreckter Hand auf uns Journalisten zu. Neben ihm geht eine verhüllte Frau. Alles was ich von ihr seh, sind ihre haselnussbraunen Augen. Ihr restlicher Körper ist von einer schwarzen Nikab verhüllt. Das Blitzlichtgewitter der Journalistenschar bricht los.

 

Szenenwechsel: Scheinwerferkegel fegen durch den Saal. „Ladies and Ladies“, verkündet eine tiefe Männerstimme aus den Lautsprechern. „Seid ihr bereit für Sixpacks, Erotik und stählerne Muskeln?“ 500 Frauen kreischen. Partybeats dröhnen aus den Boxen – der Stadtsaal Wil bebt. Zu sexy Beats tanzen zwölf Männer auf der Bühne. Nach wenigen Sekunden reissen sie sich die Kleider vom Leib. Die Männer spielen mit ihren Muskeln, machen obszöne Gesten. Das Gekreische der weiblichen Fangemeinde im Saal ist ohrenbetäubend.

Vor dem Ratshaus stehend, ruhig, mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen, beantwortet der 47-jährige Algerier alle Fragen der Journalisten. Gleichzeitig streamt er alles live mit. Hier der Link dazu.

„Ich bin gegen die Verschleierung der Frau“, sagt er. „Aber ich verteidige das Recht der freien Kleiderwahl einer jeder Frau.“

An einem anderen Ort am gleichen Tag, fallen die Hüllen. Nackte Füdlis sind zu sehen. Die Chippendales sind on fire. Ein als Cowboy verkleideter, blonder Hüne springt in die Menge. Er schnappt sich eine Zuschauerin mit Plastik-Krönchen auf dem Haupt, und liefert einen Lapdance par excellence.

Kritische Fragen werden woanders gestellt: Einer der Journalisten fragt Rachid Nekkaz, weshalb die Frau neben ihm die Nikab überhaupt trägt. Nekkaz lacht und sagt, er solle die Frau doch gleich selber fragen. Sie könne sprechen.

Peinliche Stille.

Auch auf meiner Autofahrt zurück von Wil ist es still. Es ist 22:40 Uhr und ich bin fertig mit dem Chippendales-Dreh. Nur knappe sechs Stunden zuvor habe ich den TV-Beitrag zur Nikab realisiert. Wie gegensätzlich die Welt doch ist, denke ich. Und trotz dieser Verschiedenheit haben beide Themen einen erstaunenden, gemeinsamen Nenner: Geld. Denn während die einen bezahlt werden um sich auszuziehen, zahlen die anderen, um sich zu bedecken.

Wer ist eigentlich dieser Nekkaz?

Hier sehen Sie die TV-Beiträge dazu:

 

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