Zerrissenes Israel

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«Sie behandeln uns wie Aussätzige»

Amane Tatour rappt. Ihre
dunkelbraune, wilde Lockenpracht wippt im Takt der Musik hin und her. Trotz
ihrer zierlichen Statur strahlt die 25-jährige Palästinenserin eine enorme
Willenskraft aus. Ihre Stimme ist laut, klar und wütend.

Ihre Texte – politisch. Sie handeln
von Unterdrückung, Krieg und Ohnmacht.

Aufgewachsen in Nazareth, der palästinensischen Hauptstadt Israels, lebt Amane Tatour mitten in einem Apartheidsstaat. Täglich wird sie wegen ihrer arabischen Herkunft diskriminiert. Der jahrtausendalte Konflikt zwischen den Israeli und den Palästinensern, ist nach wie vor brandaktuell. Ein Interview:

 

Amane Tatour (25), Palästinenserin

Wie hat der Israel-Palästinia Konflikt deine Familie bis heute beeinflusst?

Amane Tatour (25): Wo soll ich da nur anfangen…Meine Familie wäre eigentlich sehr wohlhabend. Meinem Urgrossvater gehörte Land in Al Seikh Mountain (heute: Har Jona). Doch die Israeli haben ihm dieses Land einfach weggenommen. Mein Vater war wegen seinem politischen Engangement auch schon in israelischer Gefangenschaft. Ein Teil meiner Familie ist nach Syrien geflüchtet und lebt dort in Flüchtlingscamps.

Wo in deinem Alltag fühlst du dich als Araberin diskriminiert?

An jeder Ecke. Vom Moment unserer
Geburt werden wir (Palästinenser) von den Israeli wie Aussätzige behandelt. Die
israelische Regierung benachteiligt die palästinensischen Städte in ihrer
Entwicklung zum Beispiel. Sogar vor der Bildung machen sie keinen Halt. So
halten sie die Budgets für palästinensische Einrichtungen extra klein. Auch ist
es uns verboten, Berufe wie Pilot oder Seefahrer zu erlernen. Du denkst jetzt
sicher: Das ist ja „fucked up“. Für mich ist es jedoch normal. Ich kenne nichts
anderes. Ich habe keine andere Wahl.

Anfangs 2019 eröffnete der Israelische Staat eine sogenannte „Apartheits-Straße“. Sie führt direkt durch die Westbank – was ist deine Meinung dazu?

Es ist nur eines von vielen Projekten, mit welchem die israelische Regierung versucht, uns Palästinenser zu schaden. Uns auszugrenzen oder bessergesagt einzusperren. Aber weisst du – ich kenne nichts anderes.

Regelmässig kommt es in Israel zu gefährlichen Auseinandersetzungen und zu Kriegsandrohungen. Wie gehts du damit um?

Ich weiss, dass ich ein Mensch dritter oder sogar vierter Klasse für die Israeli bin. Doch deswegen fürchte ich mich nicht. Ich mache mir diese „was-wäre-wenn“-Gedanken schon lange nicht mehr. Man stumpft ganz einfach ab.

(Feburar 2019, übersetzt aus dem Englischen)

Ich lernte Amane auf meiner
Rundreise durch Israel kennen. Wir verbrachten zusammen einen Tag am Toten
Meer. Weil meine Hände voller Schlamm waren, half sie mir ein Selfie zu machen
– so kamen wir ins Gespräch.

Nahostkonflikt kurz und einfach erklärt

 

3 thoughts on “Zerrissenes Israel

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